ORF Salzburg / Bericht vom 11.2.09

BAD REICHENHALL
Salzburg ORF.at/11.02.2009

Eishallen-Streit: Söllner beendet Sitzblockade

Nach fast einem Monat hat der Musiker Hans Söllner seine Sitzblockade bei der eingestürzten Eishalle in Bad Reichenhall beendet. Die Stadtregierung will eine Fachhochschule dort bauen, die Bevölkerung ist mehrheitlich für ein Schwimmbad.

Dem Sänger stinkt die Lokalpolitik gewaltig
Der gebürtige Reichenhaller demonstrierte mit seiner Sitzblockade gegen die Pläne der Stadt. Ob Schnee, Regen oder Frost: Söllner hat die letzten 25 Tage im Freien verbracht, sitzend in einem Campingstuhl – die Nächte in einem kleinen Campingwagen. Und zwar genau an der Stelle, wo vor drei Jahren beim Eishalleneinsturz 15 Menschen ums Leben gekommen sind. Dem Protestsänger Söllner stinkt die Lokalpolitik in der Kurstadt wieder einmal gewaltig.

„Undemokratisches Verhalten der Stadt“
Die Stadtväter würden die Menschen ignorieren, sagt Söllner:
„Es hat eine demokratische Wahl stattgefunden, und dabei haben 53 Prozent für ein Hallenbad hier an diesem Standort gestimmt. Ich stehe hier, weil ich mich gegen das undemokratische Verhalten der Stadt Bad Reichenhall wehre, diesen Bürgerbescheid nicht anzuerkennen.“
3.000 Unterschriften hat Söllner während seiner Sitzblockade in der Kälte gesammelt. Damit will er nun zum Bürgermeister gehen und für den Bau eines Hallenbades werben.

Stadtregierung weist Vorwürfe zurück
Doch die Entschlüsse des Stadtrates stehen fest, sagt der städtische Pressesprecher Gerhard Fuchs: „Wir werden die Vorbereitung zur Ansiedlung dieser Fachhochschule weiterführen. Diese Beschlüsse sind in einem demokratisch legitimierten, rechtlich einwandfreien Verfahren gefasst worden. Und es gibt da keinen Grund, diese Beschlüsse zurückzunehmen.“ Die Stadt Bad Reichenhall könne sich ein Schwimmbad auf dem früheren Eishallen-Gelände einfach nicht leisten. Stattdessen soll die Rupertustherme erweitert werden.

„Verlogenheit“
Das nennt der bei seinen Konzerten in urbayerischem Dialekt singende Reggae- und Rasta-Man Söllner wiederum verlogen. Ihre Budgetprobleme hätten die Politiker schon vor dem Bürgerbegehren gekannt:
„Die haben gemeint, es wäre pietätlos, würde man hier, wo die Kinder gestorben sind, noch einmal etwas herbauen. Aber gerade deswegen wäre es gut, wenn hier an diesem Ort wieder Kinder spielen würden.“

Gedenkstätte geplant
Die Diskussion um die Zukunft des Eishallen-Geländes dürfte noch länger andauern. Nur eins ist bisher klar: Dort wird auch eine Gedenkstätte für die Toten der Eishallen-Einsturzes gebaut. Die Pläne sollen in den nächsten Wochen präsentiert werden.

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