Ein bewegender Brief an Hans Söllner

Sehr geehrter Herr Söllner,

vielleicht darf ich auch „Lieber Hans“ sagen…, obwohl wir uns nicht kennen…

Ich habe gerade Dein Buch fertig gelesen und war bei der Passage, dass Dein Sohn vom Lehrer mit den Worten, „Setz dich doch zu deinem Clown von Vater zur Sitzblockade…“, aus der Klasse geworfen wurde, sehr emotional und den Tränen nahe! Selten hat mich eine „Lebensgeschichte“ so berührt, so nachdenklich, so freudig und trotzdem so ärgerlich gemacht… Ärgerlich über den Staatsapparat, der Dich so fertig machen wollte und diese ganzen Ungerechtigkeiten die Dir widerfahren sind.
RESPEKT Mann!!! Wie hast Du das bloß ausgehalten…!

Nun kurz zu meiner Entschuldigung!!!

Ich bin jetzt fast 53 und habe „früher“ in den 80ern / 90ern viele Deine Lieder hoch geschätzt! 2-3 Platten hab ich auch besessen… und fand dass mir der „Revoluzzer“ Hans Söllner aus der Seele spricht! Irgendwann bin ich an der Isar beim deutschen Museum spazieren gegangen und habe Deinen 500er Mercedes Cabrio (den mit de Rastafarben?) stehen sehen. Dann habe ich mir gedacht…, tssss – Revoluzzer… aber an Scheiß-Mercedes fahr’n! Irgendwie war das für mich eine Heuchelei und habe aufgehört Deine Lieder zu hören, oder Deine Platten zu kaufen. Mei…, und wos soll I sog’n…!!!!

ES TUT MIR WIRKLICH LEID und ich ENTSCHULDIGE MICH jetzt AUFRICHTIG dafür!

Ich habe Dich verkannt und durch Dein Buch ist mir klar geworden, dass Mercedes fahr’n an jedem Arsch zuasteht!!! I selber fahr mittlerweile an BMW… Hätte ich so auch nicht gedacht. Vielleicht kommt Dir das jetzt blöd vor, dass sich ein Unbekannter für so was entschuldigen will. Aber es ist mir echt ein Anliegen, weil ich mich selbst in Deinem Buch
so oft wiedergesehen habe, dass mir fast schwindlig geworden ist. Meine Gedanken, meine Gefühle für die Welt, für die Menschen und wie der Mensch alles so verkompliziert, kaputt macht, zerstört und so viel Leid verbreitet, all das habe ich in Deinem Buch gesehen. Mia san Brüder im Geiste – Herr Söllner“. (oder „Hans“, wenn es Dich nicht stört…)

I bin a Bayer, hob Mechaniker g’lernt, bin recht arm aufgwachs’n bei Pflegeeltern, hob Finganägl biss’n, trink koan Alkohol, spui furchtbar schlecht Gitarre, lass‘ de Akkorde de I ned konn aa weg und meine gaaaanz große Liebe ist der REGGAE und de Rastas…  Mit bestimmte Sachan konn I aba aa nix ofanga, wia zum Beispui dem Haile Selassie, der ja als der Messias vereehrt wird, aber durch den sei Schuld san sooo vui Leit gstorb’n. Naaa, in dem Punkt konn I ned zuastimma.

Dennoch!!! Im Herz’n bin I a RASTA…

Und I bin sehr, sehr FROH, DASS ES AUF DIESER WELT NOCH LEUTE WIE DICH GIBT!!! Leute, die sich die Wahrheit sagen trauen und KEIN Blatt vor den Mund nehmen – egal was für Konsequenzen es hat! Ich persönlich bin wahrscheinlich zu feig…, vielleicht auch schon zu müde, aber wie gesagt… – BRÜDER im GEISTE! Vielen DANK für ALLES!!!

Bedanken möchte ich zum Schluss auch noch bei Deinem Verlag TRIKONT! DANKE, dass SIE dem Herrn Söllner über so viel Jahre die TREUE gehalten haben und ihn nicht verarscht haben! In der heutigen, TURBOKAPITALISTISCHEN Welt, wohl keine Selbstverständlichkeit!

„Lieber Hans“, ich wünsche Dir für Deine kommenden LEBENSJAHRE alles erdenklich GUTE und hoffe Du bleibst G’SUND! Demnäxt geh‘ I los und kaff ma wieda oane oda zwoa vo Deine Platt’n!!! ;-)))) Und af a Konzert werd I mit mei’m Buam (24) aa geh‘, damit der endlich mal wos g’scheid’s lernt!!!

Mach’s GUAD!

LOVE – PEACE & the Universe

Hochachtungsvoll