Am 14.3.03 um 8.30 Uhr muss der Liedermacher Hans Söllner wieder einmal wegen Beleidigung vors Gericht, diesmal in Sonthofen(Allgäu). Eine gute Gelegenheit für jeden einmal einer öffentlichen, bayerischen Verhandlung beizuwohnen und Live zu erleben wie es andersdenkenden, kritischen Künstlern im Freistaat ergeht, wenn sie es wagen sollten ihre Meinung zu singen. Worum es geht ? Nachdem eine Zivilpolizistin (Claudia B.) ihrem Chef von angeblichen Mischbewegungen, die sie bei Hans Söllner ausmachte, berichtete, wird der Tourbus nach dem Konzert angehalten.

Ein bewaffnetes Einsatzkommando mit 8 Polizisten plus Drogenhund durchsucht über eine Stunde lang den Bus. Söllner muss sich mit erhobenen Händen an den Tourbus stellen und wird bis in die Genitalien durchsucht. Gefunden wurde nichts, auch eine Entschuldigung der Polizisten blieb natürlich aus! Aus der von ihm als menschenunwürdig empfundenen Durchsuchung und Verunglimpfung seiner Person entsteht der Song „Nennen wir sie Irmgard“. Dieser Song bezieht sich auf seine Situation, in der er sich vom Staat gefickt fühlt. Sich gefickt fühlen ist zwar an sich noch nicht strafbar, auch nicht mit Polizisten-Fingern im zensiert, aber wehe wenn man die perversen, alltäglichen Praktiken der Polizei künstlerisch verarbeitet und an die Öffentlichkeit bringt!
Nach vortragen des Liedes folgte prompt eine Anzeige wegen Beleidigung, auch Claudia B. schloss sich als Nebenklägerin der Klage an. Söllner würde deshalb im Jahre 2001 zu 75.000 DM verurteilt, plus 15.000 DM Schmerzensgeld für die beleidigte Polizistin. Das reichte aber weder den Staatsanwälten, noch Claudia, die nun endlich eine Möglichkeit gefunden hatten dem Künstler, ganz ohne Drogen, ordentlich eins auszuwischen. Nachdem Hans Söllner den Song in anderen bayerischen Städten vortrug, folgen von dort auch Anzeigen wegen Beleidigung, auch Claudia schloss sich den Klagen natürlich gerne an. So folgte ein Strafbefehl über 30.800 EUR, der nicht angenommen wurde, so das es jetzt in Sonthofen zur Verhandlung kommt.
Ein weiteres Verfahren mit den gleichen Vorwürfen aus einem weiteren Kaff steht auch noch aus, auch hier geht es wieder um knappe 39.000 EUR und das Schmerzensgeld. Söllner schreibt dazu in seiner CD (241255): „Aber wo bleibt meine Ehre wenn 11 Polizisten unangemeldet in mein Haus eindringen und mich beim Scheißen-Gehen bewachen, mein Laptop entwenden und mein ganzes Haus auf den Kopf stellen. Wo war meine Ehre, als 8 Polizisten bei einer Nacht- und Nebelaktion mein Auto durchsuchten, mein Hinterteil und mein Geschlechtsteil anfassten, mich 1 ½ Stunden belästigten, mich mit Waffen bedrohten und nicht einmal ein Wort der Entschuldigung über ihre Lippen kam, als sie nichts bei mir fanden. Wenn man dann sagt wie’s ist, das sie mich „ficken“ wollen, da fühlen sie sich dann plötzlich beleidigt. Da sind sie dann empfindlich.“
Also wie gesagt, die nächste Verhandlung ist am 14.03.03 in Sonthofen (Allgäu), und zwar um 8.30 Uhr im Zimmer 2.1 im Erdgeschoss. Der Folgetermin ist auch schon angesetzt, und zwar am 17.3 an gleicher Stelle. Es besteht keine Kostümpflicht, Einritt ist kostenlos, das Mitbringen von Trillerpfeifen, Winkelementen oder ähnlichem sollte vorher jedoch gut durchdacht werden! j.a.